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Kann „Super Mario“ Europa retten ?

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Wer ist Mario Draghi eigentlich ?

Der Präsident der Banca d’Italia, Mario Draghi, wurde am 24. Juni 2011 von den europäischen Staats- und Regierungschefs zum neuen Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) ernannt – seit dem 1. November 2011 ist er offiziell im Amt. Er folgt dem FranzosenJean-Claude Trichet nach, der seinerzeit den Niederländer Wim Duisenberg (1998-2003) ablöste. Doch wer ist nun dieser Mann mit dem Spitznamen „Super Mario“, der die Zügel einer Institution übernommen hat, die noch nie zuvor so mächtig war wie seit dem Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise ?


EZB und FSB: Was tun sie?

Europäische Zentralbank (EZB) : Sie definiert die wichtigsten Rahmenbedingungen der Währungspolitik in der Eurozone und trifft die zu ihrer Umsetzung notwendigen Entscheidungen. Insbesondere ist sie für die Erhaltung der Kaufkraft des Euro sowie der Preisstabilität in der Eurozone zuständig. Die EZB wurde 1998 gegründet und hat ihren Sitz in Frankfurt am Main. Seit Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon besitzt die EZB den Status der Rechtspersönlichkeit.

Rat für Finanzstabilität (Financial Stability Board ; FSB) : Im April 2009 auf dem G20-Treffen in London gegründetes informelles Gremium. Er ist Nachfolger des 1999 auf Initiative der G7-Staaten eingerichteten Forums für Finanzstabilität (Financial Stability Forum ; FSF). Er vereint 26 nationale Finanzbehörden (Notenbanken, Finanzministerien etc.), mehrere internationale Organisationen und im Bereich der Finanzstabilität normsetzende Fachgremien. Die Ziele des FSB bestehen in der Zusammenarbeit im Bereich der Aufsicht und Überwachung von Finanzinstitutionen.

Blicken wir auf die wichtigsten Schritte der Karriere des neuen EZB-Präsidenten zurück.

Ein (fast) perfekter Lebenslauf

Zunächst war Mario Draghi einige Jahre in der universitären Lehre in Florenz und Turin tätig gewesen und hatte in den 1980er Jahren Regierungen in Wirtschaftsfragen beraten, bevor er von 1991 bis 2001 alsGeneraldirektor dem italienischen Finanzministerium vorstand und sich dort um das Privatisierungsprogramm kümmerte. Zu diesem Zweck war Draghi Vorsitzender des Privatisierungskomitees und Mitglied in den Aufsichtsräten mehrerer, sich im Privatisierungsprozess befindlicher Gesellschaften – wie z.B. der Energiekonzern Eni, das IRI (Institut für den industriellen Wiederaufbau), die Banca Nazionale del Lavoro und der Bankenzusammenschluss Banca Intesa-Sanpaolo IMI. Er trug zur Sanierung der Staatsfinanzen Italiens bei, als sich das Land am Boden befand und sicherte ihm die Möglichkeit, als eines der ersten den Euro einzuführen. Gleichzeitig wirkte er unter anderem bei der Formulierung des Maastrichter Vertrags mit. Sein Engagement hat ihm so den Spitznamen „Super Mario“ eingebracht.

Zwischen 2002 und 2005 war er Vizepräsident für Europa bei Goldman Sachs. Dort war er zuständig für die großen italienischen Unternehmen und souveräne Staaten. Zwischen 2000 und 2002 riet die US-amerikanische Investmentbank der griechischen Regierung, derivative Produkte zu nutzen, um somit das Ausmaß des Staatsdefizits zu verschleiern. Die Frage danach, ob Draghi in diese Affäre verwickelt war, führte zu einer großen Polemik in den Monaten vor seiner Nominierung für das Amt des Notenbankpräsidenten. Als er von den Abgeordneten des Ausschusses Wirtschaft und Währung des Europaparlaments erneut zu diesem Thema befragt wurde, gab er an, nichts mit dieser Angelegenheit zu tun gehabt zu haben. Das Thema Staats- und Haushaltsdefizit wird Draghi auch heute nicht los : Die Positionierung der EZB im Kontext der beispiellosen Staatsschuldenkrise in Europa wird eine der größten Herausforderungen zu Beginn seiner Amtszeit als Zentralbankpräsident sein.

Im Jahre 2006 wurde Mario Draghi vom Präsidenten des italienischen Ministerrats, Silvio Berlusconi, zum Präsidenten der Banca d’Italia ernannt. Die Amtszeit beträgt sechs Jahre mit der Möglichkeit auf eine weitere Amtszeit. Draghi folgte somit auf Antonio Fazio. In diesem Zusammenhang wurde er auch Mitglied im EZB-Rat.

Ein weiterer Trumpf in seinem Lebenslauf ist der Vorsitz des Rates für Finanzstabilität (FSB), vormals Forum für Finanzstabilität (FSF), den er seit fünf Jahren inne hat. In diesem Rat sind die nationalen und internationalen Aufsichtsbehörden und Kontrollinstitutionen der verschiedenen Bereiche der Finanzwelt vereint (Banken, Börsen).

Mario Draghi hat sich im Laufe der Jahre den Ruf eines vorsichtigen und zurückhaltenden Mannes erarbeitet, der in der Lage ist, Krisen zu bewältigen. Sein Wissen und sein internationales Format haben sich klar zu seinen Gunsten ausgewirkt. Einzig die Tätigkeit für Goldman Sachs hat Zweifel an seiner Person hervorgebracht, um deren Widerlegung er sich bemühen sollte.

Die Herausforderungen des Mario Draghi

Seit seinem Amtsantritt muss sich „Super Mario“ mehreren großen Herausforderungen stellen :

-  Unabhängigkeit und Bewältigung von Interessenskonflikten : Der Italiener muss sich bemühen, keine zu lockere Haltung gegenüber den weniger disziplinierten Euro-Staaten einzunehmen.

-  Die Positionierung der EZB angesichts der Schuldenkrise : Soll die EZB eine größere Rolle in der Bewältigung der Staatsschuldenkrise spielen ? Washington stimmte dagegen und auch in Europa plädieren die Staats- und Regierungschefs nicht einstimmig für diese Lösung. Einige von ihnen sind gegen eine dauerhafte Beteiligung der EZB an den Hilfen für Griechenland und die anderen in Schwierigkeiten geratenen Staaten. In den Ergebnissen des Euro-Gipfels vom 26. Oktober 2011 ist von einer Fortsetzung der „unkonventionellen“ Maßnahmen der EZB (Kauf von Staatsanleihen verschuldeter Staaten auf dem Sekundärmarkt) keine Rede mehr. Dies spiegelt den Willen der deutschen Regierung wider, die eine Fortsetzung dieser Maßnahmen ablehnte, da sie ihrer Meinung nach die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank gefährden.

-  Die wahrscheinlich größte Herausforderung wird darin bestehen, das Vertrauen der Anleger in ein Europa wiederzugewinnen, das die schwerste Krise seit Einführung des Euro durchlebt.


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Super Mario à la rescousse de l’Europe ?

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Audrey Bartouel

Diplômée de l’Institut d’Etudes Politiques de Lyon (section Europe), Audrey a effectué une année d’études en Ontario (Canada). Elle est titulaire d’un Master 2 en affaire européennes de l’Institut catholique de Paris. Spécialiste des questions financières, (...)

traducteur

Alexander BRÜCK (Übersetzer)

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